Lebensqualität für Menschen mit Demenz in Offenbach fordern und umsetzen

Die demographische Entwicklung geht an der Stadt Offenbach nicht vorbei. Die Menschen werden älter, eine Verlangsamung des Lebensrhythmus geht damit einher, soziale Bindungen lösen sich auf, Freund versterben, Familienangehörige suchen ihren Lebensmittelpunkt dort wo sie Arbeit finden. Vielfach kommen Menschen aus einem gelebten Singledasein in den Bereich des älter Werdens. Damit umzugehen stellt die Kommunen vor Aufgaben, die so bisher nicht gekannt waren.

Zunehmend mehr Menschen verlieren im Alter ihre Orientierung. Der Begriff Demenz ist vielen Menschen von seiner Bedeutung her ein Begriff geworden. Anfangende Vergesslichkeit, die sich weiter entwickelt zum Verlust einer geregelten Selbstversorgung im täglichen Aufgabenbereich, fortschreitend mit einem Verlust der Erinnerung, selbst Familienangehörige werden nicht mehr als solche erkannt.

Wie werden sich Menschen die an einer Demenz erkrankt sind, sich in unserer Gesellschaft bewegen können ? Wie werden sie behandelt und aufgenommen ? Die Demenz führt in eine Isolierung, aus der es für den Betroffenen keine Umkehr gibt. Unumgänglich ist eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Alterungsprozess der Menschen.

Schon vor dreißig Jahren begann man sich davon abzuwenden, den Begriff der Demenz mit dem Schlagwort „verkalkt“ abzuhandeln. Die Bemühungen vieler Menschen, Initiativen und Institutionen haben zugenommen, den Betroffenen und den Pflegenden Hilfe zu geben. Der Erhalt der häuslichen Umgebung ist der wünschenswerte Fall, betreute Wohngemeinschaften existieren an manchen Orten, die Unterbringung in einem Pflegeheim ist ein gängiges Angebot.

Für die gesunden Familienangehörigen, ist jede dieser Lösungsformen ein schwieriger Schritt der oft zu eigenen, seelischen Belastungssituationen führt.

Für mich stellt sich die Frage, wie wird in der Stadt Offenbach am Main, mit dem Zustand einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung umgegangen ? Wo wurden Lösungen gesucht und umgesetzt, die die Erkrankten und die Betreuenden in einem menschenwürdigen Zusammenleben unterstützt.

Schaue ich mich in Offenbach um, so gibt es im Bereich der Freiwilligenhilfe ein großes Engagement. Eine Reihe von Gruppen geben davon Auskunft in der Stadt.

Auffällig dagegen, im Gegensatz zu anderen deutschen Städten wie Hanau, Kassel und Stuttgart stehen die Offenbacher Parteien und Verantwortlichen weit abseits. Ein deutlicher Ausdruck dafür sind die Internetseiten des Offenbacher Rathauses mit ihren Angeboten der betroffenen Bevölkerung Hilfestellung zu geben. Alte Informationen, nicht fortgeführte Initiativen und mangelnde Förderung der Diskussion um den Zustand, einer älter werdenden Kommune sind sehr augenfällig für den, der die Internetseite der Offenbacher Rathausverwaltung besucht. Auch die Parteiprogramme der lokalen Parteigruppierungen lassen nicht erkennen, das man die Problematik erkannt hat und daraus eine Betroffenheit entwickelt hat. Betroffen sind wir alle, denn an unserem Tun oder Unterlassen werden wir von späteren Generationen gemessen werden. Schwerpunktmässig sich auf die Arbeit freiwilliger Menschen im Ehrenamt zu stützen, ist ein politisches Vorbeimogeln.

In kulturellen Projekten zu schwelgen mag für die in Offenbach Verantwortlichen ein sehr schöner Zustand sein, wenn dabei aber nicht der gesamte Mensch im Mittelpunkt steht, dann wäre diese Schwelgerei eine Verneinung humanitärer Werte. Offenbach hat einen erheblichen Nachholbedarf, dazu gehört ein politisch mitzubestimmender Seniorenrat in der Parlamentsarbeit. Das Projekt Seniorennetz 55 plus, im Ansatz gut, erscheint im Sande zu verlaufen wenn man sich die Offenbacher Rathausseite ansieht. Der am heutigen Tag letzte Eintrag stammt vom 3.6.2008 und das ist über ein Jahr her.

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Kampmann

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2 Kommentare - “Lebensqualität für Menschen mit Demenz in Offenbach fordern und umsetzen”


  1. Lieber Uwe, du schreibst mir aus dem Herzen. Es gibt noch viele zu tun. Ob es die Bereitstellung altengerechter Wohnungen ist, Entlastungs- und Informationsangebote für pflegende Angehörige, mir liegt besonders daran, eine Öffentlichkeit zu informieren und einzubinden, zu vermitteln, dass Demenz und Hilsbedürftigkeit nicht etwas ist, das nur den anderen geschieht, dass es jeden von uns treffen kann.
    Wenn wir es schaffen, dass Menschen mit Demenz nicht mehr isoliert und versteckt in ihrer Häuslichkeit bleiben, sondern Mitglieder einer öffentlichen Gemeinschaft bleiben, so haben wir viel gewonnen. Gymnastik- und Tanzangebote, Zusammenkünfte mit anderen Betroffenen und deren Angehörigen.
    Mir ist von meinen Vorträgen in diesem Jahr die Geschichte einer Ehefrau, die sie unter Tränen allen Versammelten erzählte, stark im Gedächtnis geblieben. Ihr dementer Mann ist noch rüstig und sportlich, hat die Einsicht in seine Krankheit verloren, fährt immer noch mehrmals in der Woche seine Touren mit dem Rad. Wenn ihr Mann das Haus verlässt, steht die Ehefrau große Ängste durch, nicht wissend, ob er wieder heil nach Hause findet. Es wäre so einfach, wenn aus dem alten Bekanntenkreis Männer gemeinsam mit ihm fahren und ihn sicher wieder nach Hause bringen würden.
    Dagegen sieht die Geschichte, erzählt von meiner Patentante in Hamburg ganz anders aus. Ihr Mann, ehemaliger Philosophieprofessor, geistig immer sehr rege und ihn akademischen Zirkeln aktiv, wurde von ihr im Rollstuhl, inkontinent, fortgeschritten dement, nach wie vor zu seinen philosophischen Diskussionsabenden gefahren, saß dabei mit Bier und Brezel, verstand nichts mehr, traf jedoch auf die vertraute Atmosphäre, partizierte von ihr und blickte in vertraute Gesichter. Meine Tante war nicht alleine mit ihrem schwerdementen Mann, der Freundes- und Interessenkreis blieb erhalten. Mit diesen beiden Geschichten möchte ich deutlich machen, dass nicht nur in politischer Hinsicht etwas geschehen sollte, dass wir alle gefragt sind. Menschen mit Demenz als Mitglieder der Gesellschaft zu belassen, hat mit der Haltung eines jeden zu diesem Thema zu tun. Nichtwissen erzeugt Unsicherheit und Ablehnung. Vor dem Umgang mit Menschen, denen sich im Alter eine Demenz einstellt, brauchen wir keine Angst zu haben. Im Gegenteil, mit ihrem wieder „Purmensch“ werden, durch den Wegfall zivilierter Kontrollschranken, Ehrlichkeit, Echtheit …können wir für uns alle einen Zugewinn menschlcher Qualitäten erfahren.

  2. kampmann Says:

    Liebe Barbara, ich freue mich sehr darüber von Dir hier zu lesen. Vielen Menschen in Deutschland bist Du durch deine Referententätigkeit bekannt als eine Frau, die sich mit großem Engagement und fundiertem Wissen, für die Belange vieler, an Demenz erkrankten Menschen einsetzt. Als ausgebildete Krankenschwester setzt Du deine Erfahrung um, das nach aussen zu tragen, was sich im Allgemeinen, für Gesunde unsichtbar, hinter den Mauern der Häuslichkeit und von Heimen abspielt. Mit deinen Vortragsarbeiten schaffst Du Transparenz, gibst Menschen Hilfe und Mut und förderst die Weiterbildung des Pflegepersonals. Du bist ein Sprachrohr für die Vergessenen, die begonnen haben zu vergessen sich in unserer Gesellschaft nach ihren Normen zu bewegen.

    Du beschreibst den Fall eines Mannes, der gerne Rad fährt und das nicht unterlassen mag, trotz seiner schon erkennbaren Orientierungslosigkeit und dabei große Ängste bei seiner Ehefrau auslöst, wenn er das Haus verlässt. Hier gäbe es eine Lösungsmöglichkeit, durch ein Tandemfahrrad. Das soll die Ehefrau nicht auf das Rad als Lenkerin zwingen, nein, hier könnten sich ein Fahrradwanderverein einbringen und ihn zu ihren Touren mitnehmen. Schon mit einem Tandem, gelenkt von einem Vereinsmitglied, liesse sich dem Mann Lebensfreude gepaart mit Sicherheit schenken. Die Ehefrau wüsste ihren Mann für einige Stunden in seinem Lebenselexier gut aufgehoben und fände Zeit, für einige Stunden ihren eigenen Wünschen nachzugehen und vielleicht einmal wieder, für einige Stunden sorgenfrei in einem Café zu sitzen.

    Auch mit kleinen Schritten kommt man voran. Die großen Schritte müssen von denen gemacht werden, die dazu fähig sind und von denen, die gewählt wurden, und sich dem Wohl aller Menschen und zum Erhalt der Menschenwürde verpflichtet fühlen.

    Liebe Barbara, ich hoffe dir in Offenbach einmal bei einem deiner Vorträge begegnen zu können und dich dabei auch einmal persönlich kennenzulernen. Ich wünsche dir anhaltend die Kraft, dich auf Vortragsreisen zu begeben und sichtbare Erfolge deiner Arbeit zu erleben.

    Liebe Grüße aus Offenbach
    Uwe


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